„Every room will be a livingroom“ – diesen Satz stellt Lidewij Edelkoort an den Anfang ihrer Prognose für 2027. Die niederländische Trendforscherin, seit Jahrzehnten eine der einflussreichsten Stimmen der Branche, hat gemeinsam mit ihrem Team die Tendenzen fürs kommende Jahr sortiert. AD hat sie Anfang September veröffentlicht. Ein Motiv sticht heraus: Wir rücken wieder zusammen. Das Sofa wandert aus der Reihe an der Wand in die Mitte des Raums – als Insel, als Grube, als Rundung. Wer heute über eine neue Polstergarnitur nachdenkt, sollte das im Kopf behalten.
Die Grube kommt zurück: Conversation-Pits
Der Conversation-Pit galt lange als Relikt der 1970er. Eine abgesenkte Sitzlandschaft, ein paar Stufen hinunter, ringsum gepolstert – gebaut fürs Gespräch, nicht fürs Fernsehen. Genau deshalb feiert er ein Comeback. In einer Zeit, in der jeder auf sein eigenes Display starrt, wirkt eine Sitzgrube fast wie eine Ansage: Hier wird geredet, hier sitzt man einander zugewandt.
Ein prominentes Vorbild liefert Paris: Im Boutiquehotel „Château d’Eau“, gestaltet von Necchi Architecture, zeigt sich, wie edel eine gruppierte Sitzlandschaft heute wirken kann – weit weg vom braunen Cord-Klischee der Siebziger. Auch Trendforscherin Edelkoort ordnet die Sitzgrube unter dem Stichwort Gemütlichkeit ein: einen Ort der Sicherheit, des Rückzugs.
Natürlich reißt kaum jemand für einen echten Pit den Estrich auf. Der Trend übersetzt sich weicher. Tiefe, bodennahe Elemente, um einen niedrigen Tisch gruppiert, erzeugen dieselbe Geborgenheit – ohne Bauarbeiten. Ein umlaufendes Modulsofa mit niedriger Rückenlehne leistet fast dasselbe. Man klettert nicht hinein, aber man sitzt tiefer, dichter, geselliger.
Runde Sofas statt strenger Reihen
Zur Insel gehört die Kurve. Runde und geschwungene Sofas prägen die Entwürfe, die im Frühjahr auf dem Salone del Mobile in Mailand standen, und sie passen perfekt zur neuen Lust aufs Zusammenrücken. Eine Rundung hat keine Stirnseite, keinen Kopfplatz. Alle sitzen gleichberechtigt, jeder sieht jeden. Das klingt banal, verändert aber, wie ein Abend im Wohnzimmer abläuft.
Für gerade geschnittene Räume bleibt das eine Herausforderung – ein Kreis braucht Platz drumherum, sonst wirkt er verloren. Rechnen Sie mit mindestens 80 Zentimetern freier Fläche hinter einem frei stehenden Rundsofa, damit man bequem herumgeht. Wer wenig Fläche hat, holt sich die Idee über abgerundete Ecken, geschwungene Armlehnen oder ein einzelnes Bogenelement ins Modul. Die weiche Linie zählt, nicht der volle Kreis.
Zur Kurve passt die Haptik der Saison. In Mailand dominierten weiche Linien und griffige Stoffe – Bouclé hält sich, Kord und samtige Chenille kommen dazu. Diese Materialien betonen die Rundung, weil sie das Licht weich brechen. Ein glatter, glänzender Bezug täte das Gegenteil.

Die Sofa-Insel: modular gedacht
Damit die Insel funktioniert, muss sie sich anpassen lassen. Genau hier spielen modulare Systeme ihre Stärke aus. Einzelne Sitzwürfel, Eckelemente und Hocker lassen sich zur Runde, zum Kreis oder zur langgezogenen Bank kombinieren – und beim nächsten Umzug wieder auseinandernehmen. Für eine Insel mitten im Raum ist das fast Pflicht, denn eine freistehende Landschaft zeigt ihre Rückseite. Sie muss von allen Seiten gut aussehen.
Praktisch heißt das: rückseitig sauber verarbeitete Bezüge, keine sichtbaren Spannösen, ein durchdachter Sockel. Achten Sie beim Kauf darauf, ob sich die Module fest verbinden lassen. Nichts nervt mehr als eine Insel, die beim Hinsetzen auseinanderdriftet.
Farbe für die Insel: Gemüsegrün, Zitrus, Violett
Edelkoort sieht 2027 kräftige, warme Töne. Gemüsegrün nennt sie ausdrücklich – ein sattes, leicht erdiges Grün, das an Mangold und Artischocke denken lässt. Dazu Zitrusnuancen und Violett. Das ist ein deutlicher Schwenk weg vom grauen Understatement der letzten Jahre. Ein grünes Insel-Sofa wird zum Mittelpunkt, ohne laut zu sein, weil das Grün gedämpft und natürlich bleibt.
Wer sich eine so klare Farbe nicht auf Jahre binden mag, kombiniert klug: ein neutraler Bezug am großen Element, Farbe über Kissen, ein einzelner Sessel als Akzent. Waschbare Hussen machen den Wechsel zwischen den Saisons ohnehin leichter.

Ein Lieblingssessel gehört dazu
Neben der geselligen Insel steht 2027 der Rückzug. „Jedes Wohnzimmer braucht einen Lieblingssessel“, notiert AD – einen Ort für sich allein, eine Stehleuchte daneben, mehr nicht. Die Marken liefern die Vorlagen: Wittmann feiert mit dem „Vuelta 72“ von Jaime Hayon ein Jubiläum, Cor zeigt den warm proportionierten „Kagu“, Knoll den kurvigen „Biboni Lounge Chair“. Preislich bewegen sich diese Stücke zwischen rund 3.500 und über 6.000 Euro – Investitionen, keine Wegwerfmöbel.
Der Kontrast macht den Reiz aus. Die Insel ist für die Runde, der Sessel für den Moment allein. Ein gutes Wohnzimmer kann beides.
Multifunktion: Das Wohnzimmer arbeitet mit
Zurück zu Edelkoorts Kernsatz. „Every room will be a livingroom“ meint mehr als Gemütlichkeit. Gemeint ist, dass ein Raum heute vieles gleichzeitig sein muss: Büro, Esszimmer, Spielwiese, Rückzugsort. Das Sofa steht mittendrin und muss mithalten. Eine Insel, die sich umbauen lässt, ein Modul, das mal Gästebett wird, ein Bezug, der Flecken verzeiht – das ist keine Spielerei, sondern Antwort auf einen Alltag, in dem sich die Nutzung eines Raums mehrmals am Tag ändert.
Was das für Ihren Kauf bedeutet
Man muss keinem Trend hinterherlaufen. Aber die Richtung ist eindeutig: weg von der starren Reihe an der Wand, hin zu einer beweglichen, geselligen Mitte. Wer jetzt plant, fragt sich zuerst, wie der Raum genutzt wird – und stellt das Sofa danach. Modular, wenn Flexibilität zählt. Rund oder tief, wenn das Gespräch im Vordergrund steht. Und ruhig mit einer Farbe, die man in fünf Jahren noch mag.
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Bilder: AI-Designed




