Brandschutz & Objekttauglichkeit

B1 nach DIN 4102, DIN EN 1021-1/-2 und Martindale-Scheuertouren – was die Kennwerte bedeuten.

Im Objektgeschäft ist der Bezug kein Geschmacksthema, sondern eine technische Position. Zwei Kennwerte entscheiden fast immer: das Brandverhalten und die Scheuerfestigkeit. Beide sind messbar, beide stehen im Datenblatt des Stoffherstellers, und beide sollten in der Anfrage stehen, damit niemand später umbestellen muss.

Brandverhalten: die Normen, die zählen

NormWas geprüft wirdWo sie typischerweise gefordert ist
DIN 4102-1, Klasse B1Baustoffklasse „schwer entflammbar“Öffentliche Gebäude, Flucht- und Rettungswege, häufig in Ausschreibungen als Mindestanforderung genannt
DIN EN 1021-1Entflammbarkeit des Polsterverbunds gegenüber einer glimmenden ZigaretteHotellerie, Gastronomie, Objektbereich – europaweit gültig
DIN EN 1021-2Entflammbarkeit gegenüber einer Streichholzflamme (Butangasflamme)Wie -1, meist gemeinsam gefordert als „EN 1021-1+2“
DIN EN 16139Festigkeit, Dauerhaltbarkeit und Sicherheit von Sitzmöbeln im NichtwohnbereichObjektbestuhlung mit gewerblicher Dauerbelastung

Wichtig zur Einordnung: welche dieser Anforderungen für Ihr Projekt gilt, legt nicht der Möbelhersteller fest, sondern Ihr Brandschutzkonzept, die Landesbauordnung und die Nutzung des jeweiligen Bereichs. Ein Gästezimmer wird anders bewertet als eine Lobby im Rettungsweg. Klären Sie die Vorgabe mit Ihrem Brandschutzsachverständigen oder Architekten – und geben Sie sie uns dann mit der Anfrage. Wir spezifizieren den Bezug passend dazu und nennen Ihnen die Prüfnachweise des jeweiligen Stoffs.

Scheuerfestigkeit: Martindale-Werte lesen

Die Scheuerfestigkeit wird in Martindale-Scheuertouren angegeben – vereinfacht: wie viele Reibzyklen der Stoff im Prüfgerät übersteht, bevor er verschleißt. Höher ist nicht automatisch besser, denn sehr robuste Gewebe sind oft gröber. Die Frage ist, was zur Nutzung passt:

GrößenordnungGrobe Eignung
ab ca. 15.000 TourenWohnbereich, geringe Frequenz
ab ca. 25.000 TourenGehobener Wohnbereich, Hotelzimmer mit normaler Belegung
ab ca. 40.000 TourenObjektbereich mit regelmäßiger Nutzung – Lobby, Wartebereich, Büro-Lounge
deutlich darüberHohe Dauerbelastung, Gastronomie mit starker Frequenz, öffentliche Wartezonen
Orientierungswerte zur Einordnung. Maßgeblich ist immer das Datenblatt des jeweiligen Bezugs, das wir Ihnen zur Anfrage mitliefern.

Neben der Scheuerfestigkeit prüfen wir mit Ihnen Lichtechtheit (wichtig bei Fensterplätzen und Wintergärten), Pillingverhalten und – gerade in Praxen und Wellnessbereichen – die Beständigkeit gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.

Wie wir damit arbeiten

  • Sie nennen uns die Anforderung aus Ihrem Brandschutzkonzept und die Nutzungsintensität des Bereichs.
  • Wir schlagen Bezüge vor, die diese Anforderung erfüllen, und legen die Datenblätter mit den Kennwerten dazu.
  • Sie erhalten Materialmuster zur Bemusterung – Optik und Haptik entscheiden Sie, die technischen Werte sind vorher geklärt.
  • Auf Wunsch fertigen wir einen Prototypen in den finalen Materialien, bevor die Serie läuft.

Ein realisiertes Beispiel: für die Sitzlandschaft im Empfangsbereich der Fackelmann.Welt – ein hoch frequentierter Bereich – wurde der flammhemmende Polsterstoff UNITO von JAB Anstoetz eingesetzt und farblich ans Corporate Design angepasst.

Nennen Sie uns Ihre Anforderung, und wir schlagen passende Bezüge samt Datenblatt vor.


Diese Seite erklärt Normbegriffe zur Orientierung und ersetzt keine brandschutzrechtliche Beratung. Verbindlich ist immer das Brandschutzkonzept Ihres Objekts.