Die imm cologne hat 2026 ihre Tore nach vier Tagen geschlossen – und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Rund 340 Aussteller, gut 10.000 Besucher. Zum Vergleich: 2024, beim letzten regulären Jahrgang, waren es noch etwa 750 Aussteller und rund 42.000 Gäste. Für 2027 zieht die Koelnmesse jetzt die Konsequenz und ordnet die Messe grundlegend neu. Zwei Submarken sollen künftig trennen, was bisher unter einem Dach lag. Wer Polstermöbel einkauft, plant oder entwirft, sollte genau hinschauen – denn hier verschiebt sich gerade, wie die Branche ihre wichtigste deutsche Bühne nutzt.
Zwei neue Submarken ab Januar 2027
Vom 19. bis 22. Januar 2027 findet die nächste imm cologne in Köln statt. Erstmals ergänzen zwei eigenständige Submarken die Dachmarke: „Global Sourcing“ und „Retail Furniture“. Bernd Sanden, Director der imm cologne, nennt den Grund klar beim Namen – die Messe wolle die unterschiedlichen Geschäftsschwerpunkte des internationalen Möbelmarktes „differenzierter abbilden“. Übersetzt heißt das: Beschaffung und fertiges Handelssortiment bekommen jeweils ihre eigene Halle, ihr eigenes Publikum und ihre eigene Logik. Polstermöbel tauchen in beiden Welten auf, aber mit völlig anderem Vorzeichen.

Was 2026 wirklich passierte
Um die Neuausrichtung zu verstehen, hilft ein Blick auf den Jahrgang 2026. Die Zusammensetzung der Aussteller hat sich radikal gedreht. Von den teilnehmenden Unternehmen hatten nur elf ihren Sitz in Deutschland – und darunter waren vor allem Verbände und institutionelle Akteure, kaum klassische Markenhersteller. Die etablierten Namen aus Deutschland und dem übrigen Europa fehlten weitgehend. Stattdessen prägten internationale Anbieter das Bild, allen voran 252 Aussteller aus China, teils mit aufwendig gebauten Ständen.
Die Gespräche drehten sich früh um Beschaffung, Volumen und Preisstrukturen. „Für uns ist nicht die Besucherzahl entscheidend, sondern die Qualität der Besucher“, sagte Sanden gegenüber der Fachzeitschrift möbel kultur. Und tatsächlich reisten die großen Einkaufsentscheider an: Aldi, Amazon, Ikea, XXXLutz, Poco, porta, Möbel Boss, Westwing, Segmüller, Ostermann, die Krieger Gruppe. Die stärksten europäischen Besuchergruppen kamen aus Belgien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Eine Messe also, die nicht mehr das Schaufenster der Branche sein will, sondern ihr Beschaffungsmarktplatz.
Global Sourcing: Einkauf statt Inszenierung
Die erste Submarke, Global Sourcing, zieht in Halle 11.1 ein. Hier treffen internationale Produktions- und Lieferkompetenz auf die Nachfrage des europäischen Marktes. Das Spektrum reicht von OEM- und ODM-Fertigung über Private Label bis zum Aufbau ganzer Lieferketten. Der Fokus liegt klar auf dem Preiseinstiegssegment – und Polstermöbel stehen dabei ganz vorn, neben Wohnraummöbeln, Tischen, Stühlen und Jugendmöbeln.
Für Händler, die eigene Kollektionen entwickeln oder große Mengen beschaffen, ist das ein konzentriertes Angebot. Man muss nicht mehr nach Asien fliegen, um Produktionspartner zu treffen. Mehrere fernöstliche Aussteller hoben 2026 genau das positiv hervor: Sie konnten sich einem europäischen Fachpublikum zeigen, ohne dass ihre Kunden weite Reisen auf sich nehmen mussten. Köln wird so zur niedrigschwelligen Kontaktbörse – praktisch, aber weit entfernt vom Design-Festival früherer Jahre.

Retail Furniture: marktfertige Sortimente für den Handel
Die zweite Submarke, Retail Furniture, bezieht Halle 10.2. Hier geht es um verkaufsfertige Möbel und marktreife Sortimente im Einstiegs- bis mittleren Preissegment, ausdrücklich mit Designanspruch. Fachbesucher sollen einen konzentrierten Überblick über hochwertige Einrichtungslösungen für den europäischen Konsumentenmarkt bekommen. Aussteller wiederum erreichen gezielt Retailer und Handelspartner aus Deutschland und Zentraleuropa.
Das Produktangebot ist breit: Polstermöbel, Wohn- und Schlafzimmermöbel, Matratzen, Küche, Tische und Stühle, dazu Heimtextilien, Licht und Bodenbeläge. Wer Sofas und Sessel für den Handel sucht, findet hier also die fertige Ware – anschauen, bestellen, listen. Die Trennung zwischen „ich lasse produzieren“ und „ich kaufe fertig ein“ wird damit räumlich sichtbar. Das klingt nüchtern, hat aber einen echten Nutzen: Jeder Besucher weiß vorher, in welcher Halle seine Gespräche stattfinden.
Was das für Polstermöbel-Profis bedeutet
Für Einrichter, Händler und Innenarchitekten ergibt sich daraus eine klare Ansage. Die imm cologne 2027 ist keine Inspirationsmesse mehr im alten Sinn, auf der die großen europäischen Marken ihre Neuheiten zelebrieren. Sie ist ein Arbeitsinstrument für Einkauf und Sortiment geworden. Wer Trends sehen will – Bouclé, warme Erdtöne, modulare Systeme, geschwungene Formen –, bekommt diese Impulse inzwischen eher auf dem Salone del Mobile in Mailand oder direkt bei den Herstellern. Köln liefert dafür die Beschaffungsseite: Preise, Mengen, Partner.
Das ist nicht per se schlecht. Die Branche steht unter Kostendruck, und eine effiziente Sourcing-Plattform in Europa spart Zeit und Reisebudget. Die offene Frage bleibt das Design. 2026 waren Innovationen rar – Ausnahmen wie der KI-Bürostuhl-Hersteller Henglin oder der Stand von Jasmin Tree aus Singapur mit der Handschrift eines ehemaligen Ralph-Lauren-Designers fielen gerade deshalb auf, weil das Umfeld stark funktional geprägt war. Ob die neue Submarke Retail Furniture 2027 wieder mehr gestalterische Substanz nach Köln holt, wird man im Januar sehen.
Ein ehrlicher Neustart mit Risiko
Man kann die Entwicklung bedauern oder nüchtern anerkennen. Die imm cologne hat 2025 kurzfristig ausgesetzt und sich 2026 bewusst kleiner, klarer und internationaler neu aufgestellt. 2027 gießt diese Richtung in eine feste Struktur. Für Polstermöbel heißt das: Beschaffung in Halle 11.1, fertige Sortimente in Halle 10.2, weniger Show, mehr Geschäft. Wer mit konkreten Einkaufszielen anreist, dürfte profitieren. Wer die große Design-Bühne vermisst, muss sich eingestehen, dass diese Rolle gerade woanders gespielt wird.
Sofas gestalten – unabhängig von der Messe
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Bilder: AI-Designed




