Upscale German furniture showroom with premium fabric sofas in warm autumn light

Polstermöbelindustrie unter Druck: Umsätze brechen ein, Importe bleiben stark

Die deutsche Polstermöbelindustrie meldet für 2026 ein Umsatzminus von 10,4 Prozent. Was hinter der Krise steckt – und warum Qualität aus deutscher Fertigung jetzt zählt.

Der Herbst sollte der Branche Rückenwind bringen. Stattdessen kämpft die deutsche Polstermöbelindustrie gerade gegen kräftigen Gegenwind. Auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP) am 23. September in Herford fielen die Worte ungewöhnlich deutlich aus. „Normalerweise bringt der Herbst Rückenwind für unsere Branche. In diesem Jahr bläst uns der Wind allerdings noch immer kräftig ins Gesicht“, sagte Verbandsvorsitzender Leo Lübke. Die Zahlen geben ihm recht.

Zehn Prozent weniger Umsatz – und kein Ende in Sicht

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres lag der Umsatz der Branche um 10,4 Prozent unter dem Vorjahr. Das Inlandsgeschäft brach mit rund minus 11 Prozent besonders stark ein, das Auslandsgeschäft gab um etwa 9 Prozent nach. Im Juli allein, mitten in der Hitze, sackte der Umsatz sogar um mehr als 13 Prozent ab. Das sind keine Ausreißer mehr, sondern ein Muster.

Die Stimmung in den Betrieben passt dazu. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen rechnen laut Wirtschaftsumfrage der Verbände nicht damit, dass sich das zweite Halbjahr spürbar belebt. Rund 60 Prozent fahren im dritten Quartal Kurzarbeit. Wer produziert, produziert vorsichtig.

Kurzarbeit ist dabei mehr als eine Randnotiz. Sie zeigt, dass die Betriebe ihre Fachkräfte halten wollen, obwohl die Auftragsbücher dünn sind – ein Signal, dass viele Hersteller die Flaute für vorübergehend halten und nicht in dauerhaften Stellenabbau flüchten. Als Hauptbelastungsfaktoren nannten die befragten Unternehmen das schwache Konsumklima und die steigenden Materialkosten. Beides liegt kaum in ihrer eigenen Hand.

Warum das Sofa zum Sorgenkind wird

Ein Sofa ist ein Gefühlskauf. Genau das wird der Branche jetzt zum Verhängnis. „Ein Polstermöbel kauft man deutlich spontaner als zum Beispiel eine Küche“, erklärte Lübke. „Solche ‚Lustkäufe‘ bleiben im Moment vielfach aus, weil die Menschen angesichts steigender Lebenshaltungspreise und geopolitischer Unsicherheiten das Geld zusammenhalten.“ Wer unsicher in die Zukunft blickt, verschiebt die neue Couch – und behält die alte ein, zwei Jahre länger.

Dazu kommt die Kostenseite. Deutsche Hersteller sitzen überwiegend im hochwertigen Segment, und dort steckt viel Handarbeit in jedem Modell. Hohe Lohn- und Sozialkosten treffen auf Materialien, die Stück für Stück teurer werden – vom Schaum über die Federung bis zum Bezugsstoff. Ein Sessel besteht aus Dutzenden Komponenten, und fast jede davon hat in den vergangenen Jahren beim Preis zugelegt.

Handwerkliche Polsterproduktion in einer deutschen Möbelmanufaktur
Viel Handarbeit, hohe Qualität – und entsprechend hohe Kosten. · AI-Designed

Der Importdruck bleibt hoch – trotz Rückgang

Man könnte meinen, sinkende Importe würden die heimischen Hersteller entlasten. Der Verband sieht das anders. Zwar gingen die Polstermöbelimporte bis Juli um knapp 4 Prozent auf rund 1,63 Milliarden Euro zurück. Doch das Niveau liegt immer noch 11,2 Prozent über dem von 2024. Der Druck hat also nur ein wenig nachgelassen, nicht aufgehört.

Woher die Ware kommt, ist bemerkenswert konzentriert. Polen liefert mit einem Anteil von 41,1 Prozent für rund 670 Millionen Euro, China steuert weitere etwa 415 Millionen Euro bei. Zwei Länder, zwei Drittel aller Einfuhren. „Allein aus Polen und China kommen Polstermöbel im Wert von fast 1 Milliarde Euro nach Deutschland“, betonte Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth. „Unsere mittelständisch geprägten Hersteller müssen sich in einem schrumpfenden Markt gegen Anbieter behaupten, die häufig unter deutlich günstigeren Kosten- und Regulierungsbedingungen produzieren.“ Neue Wettbewerber drängen nach: Die Einfuhren aus Vietnam legten um 16,9 Prozent zu, die aus Litauen sogar um 31 Prozent.

Ein Lichtblick heißt Frankreich

Ganz düster ist das Bild nicht. Im Export behauptete die Schweiz mit rund 104 Millionen Euro ihre Rolle als größter Auslandsmarkt und blieb fast auf Vorjahresniveau. Und Frankreich überraschte positiv: Dorthin stiegen die Ausfuhren um 13,1 Prozent auf gut 57 Millionen Euro. In Österreich, den Niederlanden, Italien und Großbritannien lief es dagegen mau. Unterm Strich erfasst die Kaufzurückhaltung eben nicht nur Deutschland, sondern große Teile Europas – und die schwache Auslandsnachfrage kann die Löcher im Inland derzeit nicht stopfen.

Qualität statt Preiskampf

Was tun die Hersteller? Nach unten mitgehen wollen sie ausdrücklich nicht. „Einen ruinösen Preiskampf können und wollen wir nicht führen, weil dies am Ende zulasten von Qualität, Nachhaltigkeit und Arbeitsplätzen in Deutschland ginge“, sagte Lübke. Stattdessen setzt der Verband auf die klassischen Stärken: solide Verarbeitung, langlebige Materialien, durchdachte Funktionen und Service vor Ort. Ein gut gebautes Sofa aus deutscher Fertigung soll sich über die Jahre rechnen, nicht am Kassenbon des ersten Tages.

Praktisch heißt das: reparierbare Konstruktionen statt verklebter Wegwerfware, austauschbare Bezüge, Nachkauf einzelner Elemente auch Jahre später. Genau hier spielen die deutschen Manufakturen ihre Karte aus. Wer ein Gestell mit Mehrschicht-Federung und einem Bezug in Möbelqualität kauft, sitzt darauf länger bequem als auf einem Modell, dessen Polster nach zwei Umzügen durchhängt. Die Herbstmessen und Hausmessen der Hersteller stellen deshalb spürbar Handwerk und Funktion in den Vordergrund – nicht den niedrigsten Preis.

Hochwertiges Sofa als Herzstück eines Wohnzimmers im Herbst
„Das Sofa bleibt das Herzstück des Wohnraums“ – so das Fazit des Verbands. · AI-Designed

Wohnungsbau und Regulierung bremsen zusätzlich

Die Ursachen reichen über die Möbelbranche hinaus. Der schwache Wohnungsbau bremst spürbar: Wer nicht umzieht und nicht neu einrichtet, kauft auch keine neue Couch. Dazu kommen wachsende bürokratische Anforderungen, die gerade kleineren Betrieben Zeit und Geld kosten. Die Probleme der Polstermöbelhersteller ähneln damit denen der gesamten deutschen Möbelindustrie – hausgemachte Schwäche trifft auf globalen Wettbewerb.

Was das für Sie als Käufer bedeutet

Für Verbraucherinnen und Verbraucher hat diese Lage zwei Seiten. Einerseits kämpfen Händler und Hersteller um jeden Auftrag, was Verhandlungsspielraum und attraktive Herbstaktionen wahrscheinlicher macht. Andererseits lohnt gerade jetzt der zweite Blick auf Herkunft und Machart. Ein deutlich günstigeres Importmodell mag verlocken – doch bei einem Möbelstück, das Sie zehn Jahre und länger täglich nutzen, entscheiden Rahmen, Polsterung und Bezug über die eigentlichen Kosten. „Das Sofa bleibt das Herzstück des Wohnraums“, fasste Lübke zusammen. Ein Herzstück kauft man selten zweimal.

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Bilder: AI-Designed

Saskia Bodensteiner
Saskia Bodensteiner
Artikel: 20

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